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100 Tage StadtAcker

Endlich Erde unter den Händen! Nach sechs Jahren Vorlauf und Wartezeit konnte es Mitte Februar endlich losgehen auf 1000 qm Gartenfläche im StadtAcker. Entsprechend groß war der Eifer nach der Schlüsselübergabe vom Baureferat Gartenbau an den Ackermannbogen e.V. als Träger des StadtAckers. Alle waren gespannt, ob das vom Planungsteam entwickelte theoretische Konzept in der Praxis auch funktionieren würde: Ein urbaner Gemeinschaftsgarten, in dem keine Einzelparzellen bewirtschaftet werden, stattdessen in so genannten Themengruppen gemeinsam gegartelt wird.

Um ein möglichst breites Spektrum abzudecken, haben sich gleich zu Beginn fünf Themengruppen gebildet: Beeren & Sträucher, Bienen & Blumen, Gemüse, Kräuter, Kompost & Boden.

Dank guter Vorbereitung konnte dann auch gleich losgelegt werden: Als erstes wurden die Pflanzen umgezogen, die in Töpfen und Trögen auf dem provisorischen Platz gegenüber vom Café Rigoletto standen. Auch der Holztrog, der dort seit drei Jahren mit der Aufschrift „Der StadtAcker kommt!“ auf das geplanteGemeinschaftsprojekt verwies, hat jetzt seinen endgültigen Platz im Garten. Er dient inzwischen denen als Anbaufläche, die sich nicht so gut bücken können.

Die Johannisbeeren, die sich auf dem alten schattigen Standort nicht so gut entfalten konnten, stehen jetzt in voller Sonne an verschiedenen Stellen auf dem StadtAcker und haben teilweise gut Früchte angesetzt. Ob Heidelbeeren, Stachelbeeren, Weintrauben, Brombeeren, Himbeeren oder Kiwi – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Mehrheitlich sind die Beerenbüsche mit Walderdbeeren unterpflanzt. Und noch eine Besonderheit: Eine bosnische Nachbarin hat dem StadtAcker ganzjährig tragende Erdbeerpflanzen aus ihrer Heimat gespendet, die allerdings noch ein Jahr Schonzeit brauchen.

Zu den ersten Aktionen gehörte auch der Aufbau des Schneckenzauns. In ihm gedeihen verschiedene Salate und Gemüse in Reihenmischkultur. Wie das funktioniert und was dabei zu beachten ist hat die Gemüsegruppe in vier Workshops gelernt. Inzwischen haben auch schon die Kartoffeln auf der Fläche gegenüber vom Gemüsebeet eine ansehnliche Höhe erreicht.

Für das gute Aroma beim Kochen sorgt die Kräutergruppe, die auf inzwischen sechs Beeten 45 verschiedene Kräuter betreut, darunter mediterrane Klassiker wie Rosmarin, Salbei und Thymian, Allerwelts-Küchenkräuter wie Schnittlauch und Petersilie, aber auch Besonderheiten wie Ysop, Ananas-Salbei und Zitronengras.

Für diejenigen die aktiv bei einer Themengruppe mitmachen und zusätzlich gerne einfach mal etwas ausprobieren wollen, gibt es kleine Experimentierbeete. Dort bauen nun viele Aktive aus verschiedenen Nationen Gemüse aus ihren Herkunftsländern und nach ihren Methoden an. Auch die von einer Umweltpädagogin betreute Naturkindergruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) hat hier ihren Platz gefunden.

Die ganze Vielfalt auf dem StadtAcker war bei dem Eröffnungsfest am 13. Mai zu erleben. Alphornbläser und Chorgesang bildeten den musikalischen Auftakt. Nach diversen Dankes- und Grußworten gab es Führungen durch den Garten und zu den beiden Kunstinstallationen „Wasserlinie“ und „natural things“ auf und über der Fläche. Kinder bastelten Samenkugeln und grillten Stockbrot, Erwachsene übten sich im Erkennen von Kräutern, unter fachkundiger Anleitung wurden Weidenkugeln geflochten, Hände von Groß und Klein wurden mit Henna bemalt. Für das leibliche Wohl sorgte ein leckeres interkulturelles Mitbring-Buffet.

Pünktlich zum Eröffnungsfest fingen die auch die Phazelien (Bienenfreund) zu blühen an, die den noch nicht bestellten Boden als Gründüngung bedeckten. Bei schönem Wetter locken sie Tausende von Bienen an. Sie sind die Vorboten eines Bienenstocks, den eine Hobby-Stadtimkerin demnächst auf dem StadtAcker aufstellen wird. Damit die Insekten weiterhin reichlich Futter finden, hat die Blumengruppe mehr als 100 Stauden gepflanzt und auf die freien Flächen verschiedene Wildblumen gesät.

Alle sind eingeladen, sich an der Blütenpracht zu freuen – auch diejenigen, die sich an der gemeinsamen Gartenarbeit nicht beteiligen. Der StadtAcker ist täglich von morgens bis abends für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Die reifen Früchte sind jedoch – je nach Erntemenge – hauptsächlich den insgesamt 60 Nachbarinnen und Nachbarn vorbehalten, die seit dem Frühjahr aktiv und gemeinschaftlich gärtnern. Sie haben sich bereit erklärt, pro Woche mindestens zwei Stunden im Garten mitzuarbeiten und sich einer der fünf Themengruppen anzuschließen. Welche Arbeiten anstehen, erfahren sie per E-Mail von den jeweiligen GruppensprecherInnen.

Fazit nach 100 Tagen StadtAcker: Es funktioniert! Wie geplant gedeihen im StadtAcker neben Gemüse auch Gartenwissen und Gemeinschaft.

Wer sich für die Mitarbeit auf dem StadtAcker interessiert, kann ohne Anmeldung zur  Garten-Infostunde kommen, die jeden Samstag von 17-18 Uhr auf der Fläche stattfindet.

Mai 2017