Vernissage der Ausstellung "Klang, Wort, Spur"

Drei Künstlerinnen im Dialog über Identität.

Zur Vernissage der Ausstellung „Klang Wort Spur“ am 25. März wurde der SchauRaum im Ackermannbogen zu einem konzentrierten, ruhigen Ort der Begegnung. Der Abend fand in einem eher kleinen Kreis statt, was ihm eine persönliche und sehr herzliche Atmosphäre verlieh – getragen vor allem von der Präsenz der drei ausstellenden Künstlerinnen Nuray Toksoy, Derya Aydoğdu und Neslihan Torun sowie deren Freund:innen und Familien.

Inhaltlich überzeugte die Ausstellung durch ihre Vielschichtigkeit und ästhetische Tiefe. Besonders eindrücklich waren Arbeiten, bei denen die Künstlerinnen zunächst mit der traditionellen Ebru-Technik arbeiteten und anschließend fast skizzenhaft urbane Szenen – etwa Kirchen oder Moscheen – in die fließenden Hintergründe einzeichneten. Diese Überlagerung verlieh den Bildern eine große Spannung und Tiefe und machte sie auf besondere Weise vielschichtig und offen.

Sehr berührend waren auch die Installationen: Keramikteller, in traditionellem Verfahren bemalt, wurden so arrangiert, dass sie gemeinsam ein neues Bild ergaben. Eine weitere Arbeit bestand aus mehreren Einzelbildern, die durch Fäden scheinbar zusammengehalten wurden – wobei eines so wirkte, als sei es herausgefallen. Dieses Bild erinnerte an eine zerbrochene oder fragmentierte Erinnerung und eröffnete Raum für persönliche Deutungen.

Ein wiederkehrendes und sehr ästhetisches Motiv war der Fingerabdruck aus Worten. Begriffe wie dignity und humanity waren zu erkennen, auch wenn nicht alle Worte lesbar waren. Gerade dieses Unvollständige verlieh den Arbeiten eine zusätzliche poetische Qualität.

Der Austausch an diesem Abend entstand weniger über Worte als über die Werke selbst – über Materialien, Gesten und Bilder, die auch ohne gemeinsame Sprache verständlich waren. Die Nähe zu den Künstlerinnen, ihre Offenheit und ihre sichtbare Freude darüber, im SchauRaum ausstellen zu dürfen, prägten den Abend nachhaltig. Mit großer Sorgfalt und Sensibilität hatten sie eine ästhetisch überzeugende und inhaltlich dichte Ausstellung realisiert.

Dass mehrere Künstlerinnen unterschiedliche Perspektiven auf ein gemeinsames Thema eröffnen, passt besonders gut zum Profil des SchauRaums. „Klang Wort Spur“ lädt dazu ein, neue Impulse mitzunehmen, Migrationserfahrungen besser zu verstehen und über Zugehörigkeit, Erinnerung und Sichtbarkeit ins Nachdenken zu kommen. Die Hoffnung bleibt, dass sich insbesondere auch die türkische Community im Viertel von der Ausstellung angesprochen fühlt und den Weg in den SchauRaum findet.

Die Ausstellung ist noch bis 25. April 2026 im SchauRaum im Ackermannbogen zu sehen.


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